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Polizeikontrolle: Was tun, wenn ich mit Alkohol oder Drogen am Steuer erwischt werde?

Was kann ich machen, wenn ich mit Alkohol oder Drogen am Steuer in eine Polizeikontrolle komme?

Bei jedem Infogespräch mit einem meiner zukünftigen Klienten frage ich natürlich nach, was am Tag der Alkohol- oder Drogenfahrt passiert ist. Es folgen mehr oder weniger ausführliche Schilderungen.

Was praktisch alle tun, die von der Polizei angehalten bzw. erwischt werden:

Möglichst unauffällig verhalten, nicht lallen, versuchen, grade zu stehen und beim Laufen nicht zu torkeln.
Das ist nur allzu verständlich, denn es ist jedermanns gutes Recht, eine Handlung zu unterlassen oder eine Aussage zu verweigern, wenn man sich selber damit belasten würde.

Stellen Sie sich einmal folgende Situation vor:

Sie sind ein Mensch, der den ganzen Tag hart arbeitet, froh ist, wenn er abends nach getaner Arbeit nach Hause kommt und seine Ruhe hat.
Ihre einzige sportliche Betätigung besteht aus dem Gang von der Wohnung zum Auto, von dort zur Arbeit und abends das Ganze wieder zurück. Der Weg zum Zigarettenautomaten wird auch noch mit dem Auto erledigt. Am Wochenende Einkaufen, Hausarbeit, Auto oder Motorrad putzen.

Nun sollen Sie ein Wettrennen über 500-Meter Lauf absolvieren. Rennen Sie zügig los.
Nach 500 Metern sind Sie wahrscheinlich völlig ausgepowert und brauchen 5 Minuten, bis Ihnen kein neuer Schweiß ausbricht und sich Ihre Atmung und der Puls wieder normalisiert haben.

Ihr Kollege, gegen den Sie angetreten sind, der seit Jahren zweimal pro Woche 10 Kilometer durch den Wald läuft, wird nach 500 Metern maximal seinen Ruhepuls etwas erhöht haben und die Atmung wird nach 30 Sekunden wieder normal sein.

Das Ganze können Sie nun problemlos auf Ihren Alkohol- oder Drogenkonsum übertragen:

Michael, der einmal im Monat ein Glas Bier trinkt und an Silvester noch ein Glas Sekt zum Jahreswechsel, wird nach dem einmaligen „Genuss“ von 20 Hütchen und 4 Flaschen Bier Besinnungslos in der Ecke liegen und sich wahrscheinlich noch übergeben.

Kevin, der täglich seine 6 Flaschen „Feierabendbierchen“ trinkt und am Wochenende in der Disco regelmäßig noch 15 Hütchen und 10 Gläser Pils verkraftet, würde, wenn überhaupt, nur einen leichten Schwips bei sich bemerken.
Bis Kevin Besinnungslos in der Ecke liegt und sich übergibt, braucht er sicher noch ein paar Hütchen mehr.

Und warum ist das so?

Ganz klar: Kevin ist gut im Training. Er verträgt mittlerweile einiges mehr als Michael.
Das Fatale dabei: Das heißt nicht, dass er weniger Alkohol im Blut hätte als Michael, aber die Wirkung auf sein Gehirn ist durch die Gewöhnung an den Alkohol kaum noch vorhanden.

Nun kommen wir wieder zur Alkoholkontrolle:

Kevin schafft es in Gegenwart der Polizei, sich zusammen zu reißen, sodass er weder lallen noch torkeln muss. Er ist freundlich, seine Kleidung ist sauber.

Aber glauben Sie nicht, dass die Polizei dumm ist.
Die Beamten sind sehr gut ausgebildet und haben hervorragende Messgeräte. Darüber hinaus haben sie viel Erfahrung im Umgang mit Menschen, die Alkohol oder Drogen konsumiert haben.
Sie riechen den Alkohol und es gibt sehr deutliche Anzeichen des Körpers, anhand derer man mit etwas Erfahrung sogar auf die Substanzen schließen kann, die Sie getrunken, geschluckt, gespritzt oder geraucht haben.

Um einen Alkohol- oder Drogentest kommen Sie sowieso nicht herum und wenn dieser zu hohe Werte anzeigt, dann wird noch eine Blutentnahme angeordnet.
Das heißt, hier werden Ihre persönlichen Werte ganz objektiv gemessen.
Es ist auch völlig egal, ob Sie vorher viel oder wenig gegessen haben. Der Alkoholgehalt im Blut verändert sich dadurch nicht.

Alkohol z.B. löst sich nur in Wasser auf – also in Ihrem Blut und nicht im Schnitzel oder im Döner, den Sie vorher gegessen haben.
Deshalb heißt es auch „Blut-Alkohol-Konzentration (BAK)“ und nicht „Schnitzel-Alkohol-Konzentration“.

Nun denken Sie nochmal an den 500-Meter-Lauf.

Sie atmen nicht schwer, schwitzen nicht, Ihr Puls ist so gut wie normal – analog lallen und torkeln Sie nicht.

Für die Bemessung des Strafmaßes vor Gericht ist das nicht von Belang. Dort zählt nur, wie viel Promille Alkohol in Ihrem Blut festgestellt wurden oder welche anderen psychotropen Substanzen Sie im Körper hatten und wie oft Sie ggf. schon aufgefallen sind.

Spätestens wenn Sie mehr als 1,6 Promille Alkohol oder andere Drogen im Blut hatten, müssen Sie sowieso zur MPU. (Ausnahme bildet mit viel Glück der Konsum von Cannabis.)

Und wenn klar ist, dass Sie sich bei 1,6 oder mehr Promille oder nach dem Konsum des 5. Joints an diesem Tag noch völlig normal verhalten haben und keinerlei Ausfallerscheinungen zeigen, wird jedem klar sein, dass Sie noch viel mehr vertragen hätten.

Denn je mehr Sie bei solchen Werten „vertragen“, je weniger Ihr Gehirn auf diese Menge Alkohol reagiert, bzw. je höher die Drogenabbauprodukte in Ihrem Körper sind, desto mehr kratzen Sie an der Annahme, dass Sie Alkoholiker oder Drogensüchtiger sind.

Und spätestens dann wird das „Bestehen“ einer MPU richtig schwer.

Mein Rat: Am besten ohne Alkohol und ohne Drogen ins Auto steigen bzw. anderenfalls das Auto stehen lassen.

Wenn es dann doch passiert ist, rufen Sie mich an. Warten Sie nicht, bis die Sperrfrist abgelaufen ist. Kümmern Sie sich am besten sobald das Urteil rechtskräftig ist. Im Zweifel sogar schon vorher.

 

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